Abessinier-Rasseportrait

„Kind der Götter“ nannten Helen und Sidney Denham die Abessinier im Jahre 1951, schien sie doch in ihrer statuenhaften Schönheit, mit dem strahlenden Blick und ihrer Anmut und Grazie ganz die Reinkarnation altägyptischer Bastetkatzen zu sein.

Geschichte und Herkunft der Abessinier
Der Weg der Abessinier nach Europa
In London, 1868, taucht sie erstmals auf: Zula oder Zulu ist ihr Name. Goldbraun ist ihr auffälliges Fell, bernsteinfarbene Augen fixieren den Betrachter. Nicht bekannt ist, ob die Frau von Oberst Barrett-Lennard die ungewöhnliche Katze mitgebrachte oder ob der Vorgesetzte ihres Mannes, Lord Robert Napier, die exotische Schönheit entdeckt und importiert hatte. Zur kolorierten Lithografie erfahren wir nur: „... Die Katze kommt aus Abessinien in Folge des Krieges ..“ Mehr ist nicht bekannt über „Zula“. Nirgendwo ist etwas über sie und ihre Nachkommen verzeichnet. Lange nimmt man an, dass sie in Abessinien (Äthiopien) und in den benachbarten Gebieten ihren Ursprung hat - und eben auch in Ägypten. Doch als Katzenforscher Anfang des 20. Jh. versuchen, Zula genauer auf die Spur zu kommen, finden sie unter den Straßenkatzen, den wilden und halbwilden Falbkatzen Äthiopiens und der angrenzenden nordafrikanischen Regionen nicht ein Tier, das der Abessinierin gleicht. Das Rätsel um ihren Ursprung scheint nicht lösbar. Jahrzehnte später entsinnt man sich einer im zoologischen Museum in Leiden (NL) ausgestellten „indischen Hauskatze“ mit dem Fell der Abessinier. Diese und die Abbildungen zweier weiterer „asiatischer Abessinier“ in einem englischen Katzenjournal lässt die Katzenforscher diesmal ganz woanders nach ihr suchen… und endlich findet man sie: In den Slums von Singapur und Ceylon läuft sie umher als einfache Haus- und Straßenkatze …. mit dem getickten Fell der Abessinier! Sie reist also zweimal, die Vorfahrin unserer Abessinier, ehe sie in Europa landet: zunächst mit britischen Soldaten aus dem indischen und südasiatischen Raum nach Afrika und von dort aus durch Kolonialbeamte, Händler und kriegsbedingt schließlich nach England.
Anerkennung als eigene Rasse
In England angekommen blüht rasch die Zucht mit den attraktiven Spanischen -, Russischen - oder Hasenkatzen. Sie werden mit Hauskatzen und anderen Rassekatzen gekreuzt, denn ihre Zahl ist klein, und man experimentiert reichlich. Ihr Äußeres verändert sich dahin und dorthin, sogar silberfarbene treten auf. Letztlich besinnt man sich aber wieder auf die ursprüngliche braungoldene Farbe. 1871 taucht die schöne Braune erstmals auf der großen Ausstellung im Londoner Crystal Palast auf und ist bald nur noch als „Abessinier“ bei den Katzenliebhabern präsent. 1882 wird sie als Rasse vom englischen Katzenclub anerkannt und erhält 1889 von dessen Präsidenten, Harrison Weir, die erste Standardbeschreibung. Damit gehört die Abessinier zusammen mit den Siamesen und Persern zu den ältesten anerkannten Rassekatzen der Welt. Seit ihrem Auftauchen in Europa ist die Beliebtheit der Abessinier bis heute ungebrochen. Längst ist sie über den gesamten Erdball verbreitet, und es findet ein weltweiter Austausch von Zuchttieren statt. Schon ab Anfang des 20. Jahrhunderts hatte man sich ganz auf die ursprüngliche Farbe als einzige konzentriert. Erst 1963 wird die sorrelfarbenen Abessinier anerkannt. Bis die neuen Farben Blau, Fawn und alle Silbervarietäten vereinliche Anerkennung finden, gehen erneut weitere rund 25 Jahre ins Land.

Aussehen der Abessinier
Eleganz in leuchtendem Ticking-Fell
Vor uns steht eine schlanke, muskulöse Kurzhaarkatze von mittlerer Größe, deren harmonisch proportioniertes Erscheinungsbild einen Katzentyp zwischen allen Extremen verkörpert: nicht gedrungen und kurz, wie z.B. die British Shorthair oder die Perser, und nicht lang und schmal wie die Siamesin oder Orientalisch Kurzhaar.
Im Stand und auch in der Bewegung wirkt die Abessinier immer hochbeinig und elegant, dabei zugleich kraftvolle Sprungbereitschaft vermittelnd. Ihr geschmeidiger und sehniger Körper wird getragen von langen, schlanken, muskulösen Beinen auf kleinen, ovalen Pfoten. Der am Ansatz starke, lange Schwanz verjüngt sich zur Spitze hin. Wie fein gemeißelt in gemäßigter Keilform ruht ihr Kopf mit den weich gerundeten Brauen und Wangen auf einem langen, muskulösen Hals. Sanfte Konturen bestimmen auch das Profil mit dem kräftigen Kinn. Der mittellange Nasenrücken ist gerade bis sacht geschwungen mit einer leichten Einbuchtung zur fein gerundeten Stirn hin. Ihre großen, über der Kopfmitte weit gesetzten Ohren sind aufmerksam wie lauschend platziert. Mandelförmig geschnittene, große Augen leuchten in Bernsteingold, Haselnuss oder Grün. Betont wird ihr intensiver Blick durch eine dunkel pigmentierte Linie direkt um die Augen, die von einer hellen Fellzone umrahmt ist.
Die charakteristische Färbung ihres Fellkleides unterscheidet die Abessinier von allen anderen Katzenrassen. Von der Haut zur Spitze ist jedes Haar in sich gebändert im Wechsel von „Hell-Dunkel-Hell-Dunkel“. Dieses Ticking, im Fachjargon „Agouti“ (abgeleitet von der ebenso gefärbten Nagetiergattung gleichen Namens), verleiht ihr einen lebhaft „gestichelten“ und doch einheitlich gemusterten Gesamteindruck, ähnlich einem Wildkaninchen, Feldhasen oder Igel.
Gewünscht wird die Abessinier immer in einer dunkelglühenden, sehr leuchtenden Tönung. Durch den Agouti-Effekt schimmert das kurze und enganliegende Fell der Abessinier bei Licht wie changierende Seide in goldenem Braun (wildfarben), feurigem Kupfer (sorrel) oder heller in warmem Schieferton (blau) und lachsfarbenem Rosé (beige-fawn). Zeichnung an Beinen, Schwanz und dem Übergang zur Brust sind nicht gewünscht. Erwünschte Zeichnungsreste, durch züchterische Auslese gefestigt, runden als dunkler Streifen vom äußeren Augenwinkel zum Ohransatz hin, als ein von hellem Fell umgebenes dunkles M auf der Stirn („Skarabäus-Mal“) und als hellere Fellpartie rund ums Schnäuzchen das Gesamtbild ab.

Wesen der Abessinier
Umgang mit anderen Vierpfotigen
Der Umgang mit ihresgleichen ist klar und bestimmt. Denn selbstverständlich beansprucht sie die Chefinnenrolle für sich. In der Regel hat sie diese inne vom ersten Moment an, wenn sie als Kind ihren neuen Wirkungskreis betritt. Katzen anderer Rassen (Hunde sowieso) lassen ihr diese Rolle gern, bemerken sie doch zumeist gar nicht, wie die Abessinierin mit dem ihr eigenen Charme, ihrem Einfallsreichtum und gelebter Überzeugung andere Mitbewohner im Nu um die zarte Pfote wickelt. Dabei ist sie unter ihresgleichen eher auf etwas Abstand bedacht.
Doch auch die Abessinier schließt enge und echte Freundschaften, wenn sie denn auf eine ihrer Rasse oder Spezies trifft, die sie im wahrsten Wortsinn gut riechen kann, die das eigene Tempo liebt und mit ihr lebt. Solche „Lieben des Lebens“ sind in allen Konstellationen möglich, zwischen Kater und Katze, Mutter und Kind, Vater und Kind, Geschwistern eines Wurfes und was es sonst noch an Verbindungen geben mag.
Eine Göttin und ihre menschlichen Begleiter
Wie „alltagstauglich“ ist nun solch exotische Schönheit in all ihre Ästhetik fürs Zusammenleben? Ohne Einschränkung lässt sich sagen: So sonnig wie ihr Äußeres ist auch ihr Wesen. Strahlend, liebenswürdig, voll Wärme und jeden verzaubernd!
Sanft und leise geht sie auf uns zu, gibt Köpfchen, strahlt uns aus Mandelaugen an, blinzelt uns zu und zeigt in jeder ihrer sanften, anschmiegsamen Bewegungen ihre Zuneigung. Ist sie sich unserer Erwiderung sicher, schwillt ihr zartes Schnurren zum Dröhnen an. Dann legt sie dem geliebten Menschen ihre Pfoten um den Hals, schmiegt ihr Köpfchen unter sein Kinn und putzt ihn... gründlich .. und mit rauer Zunge. Verschwenderisch geht sie dennoch mit ihrer Liebe zu ihrem Menschen nicht um.
Es bedarf schon der besonderen Situation, da müssen Zeit, Platz und Anlass genau nach ihrem Geschmack sein. In jedem Falle nimmt sie sich, was sie will,… „hilft“ beim Zeitunglesen, sitzt einfach direkt vor dem Bildschirm, legt sich gemächlich auf die anderweitig beschäftigten Arme. Es sind jene unter ihnen, die selbst Fremden ohne zu zögern förmlich in den Arm fliegen. Daneben gibt es auch die etwas zurückhaltendere und sprödere, dafür aber besonders treue Abessinier. Sie vergöttert nur einen Menschen oder ein einzelnes Mitglied der Familie.
Ganz so zärtlich wie jene andere gibt sie sich nicht, und sie neigt durchaus zur Eifersüchtelei. Hat sie „ihren“ Menschen gefunden, können ihr andere getrost gestohlen bleiben. Reserviert, ja mit Arroganz lässt sie sich von diesen bestenfalls bewundernd betrachten … und konzentriert sich, allein mit „ihrem“ Menschen auf ausgiebige Schnurr- und Schmusearien.
Begeistert nimmt die Abessinier teil an unserem Leben, grundsätzlich und bei allem, was wir ihr anbieten und zulassen. Das geht weit über einschlägige Spielchen mit Knisterbällchen und Co hinaus, ... reicht vom morgendlichen Besuch unter der Dusche über den Balanceakt auf einer offenen Tür, vom Schleppen abgelöster kompletter Tapetenbahnen und dem gezielten Wegräumen eigenen Spielzeuges bis zum höflichen Geleiten beim Verabschieden lieben Besuches zur Tür.
Apportieren und das Öffnen von Türen und Schränken gehören nahezu zu ihrem Normalprogramm. Dabei sind Einfallsreichtum und Beharrlichkeit ihr Motor bei allem, was sie tut. Sie sei die Abiturientin unter den Katzenrassen, sagte einst jemand über die Schöne. Etwas elitär? Zugegeben! Aber so ganz falsch ist die Einschätzung nicht.
„Zu welchen Menschen eine Abessinier passt? Zu allen, die pure Schönheit lieben, denen beständige Zuneigung und Treue wichtiger sind als spontane heftige Liebesbezeugungen, die gemeinsam ruhige Stunden schätzen, aber auch einer hitzigen Spiel-Schlacht nicht abgeneigt sind. Vor allem aber: die da sind, weil sie gebraucht werden.“ (3. U. Birr, a.a.O.) Denn die Abessinier ist nicht gern allein.

Text: Abessinier – Die Kinder der Götter - Ingrid Filgraebe - Cellani Abessinier-Katzen Berlin

Quellen 1 Abessinier – Handreichung für Richterschüler, I. Filgraebe, 1985 & 2009 2 Typ – Ticking –Trends, I. Filgraebe, Rassevortrag Helsinki 2009 3 Die Abessinierkatze, U. Birr aus „Geliebte Katze“, in RAS Sonderheft, 2001 4 Child of the Gods, H. & S. Denham, 1951, G. Balke (Übers.), 1979 5 Abessinierkatze, M. Bahmann, Wikipedia, 2006 6 Abessinierkatzen, E. Voigt, Verlagsgesellschaft R. Müller GmbH, 1982 7 CFA Standard für Abessinier, Chr. Ruessheim (Übers.), 1998 8 Rex, Abyssinian & Turkish Cats, A. Ashford & G. Pond, John Gifford Ltd. 1972 9 Abyssinians, R. Zimmermann, T.F.H. Publications, Inc., Ltd., 1980



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